Ratekau wehrt sich - keine Güterzüge durch unsere Gemeinde
Ratekau wehrt sich - keine Güterzüge durch unsere Gemeinde

"Ratekau wehrt sich - keine Güterzüge durch unsere Gemeinde" Einwendung zum Raumordnungsverfahren

 

Ministerpräsident des Landes Schleswig-Holstein

Staatskanzlei,  Abtlg. 3 Landesplanung

Kennwort:  Raumordnungsverfahren Schiene

Düsternbrooker Weg 104

24105 Kiel

  

 Einwendungen Raumordnungsverfahren Schienenhinterlandanbindung Feste Fehmarnbeltquerung

 

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

die Bürgerinitiative Ratekau wehrt sich - keine Güterzüge durch unsere Gemeinde, hat derzeit ca. 1800 Mitglieder aus dem Gemeindegebiet Ratekau, aber auch aus den umliegenden Gemeinden in Ostholstein. Im Namen dieser Mitglieder erheben wir gegen die Planung der Schienenhinterlandanbindung zur Festen Fehmarnbeltquerung die folgenden Einwendungen:

Durch den Bau jeder Trassenvariante wird insbesondere der nächtliche Lärm zunehmen. Nächtlicher Lärm verhindert einen erholsamen Schlaf. Das führt nach kurzer Zeit zu Konzen-trationsschwäche und Verschlechterung der Leistungsfähigkeit. Sind wir dem nächtlichen Zuglärm über einen längeren Zeitraum ausgesetzt, führt dieser zu schwerwiegenden Gesundheitsschäden.Gesundheitliche Folgeschäden aufgrund von Dauerlärm sind ab einer Belastung von 30-40 dB(A) in den Nachtstunden, sowie bei intermittierendem Lärm von 40-45 dB(A) zu erwarten. Ab einem intermittierenden Lärm >50 dB(A) nachts kommt es zu Stress- und damit zu Aufwachreaktionen. Deswegen ist die Berechnung der Lärmbelastung nach Mittelungspegeln nicht geeignet, gesundheitsschädigenden
Lärm festzustellen. Erwiesenermaßen sind die intermittierenden Maximalpegel verantwortlich für die Entstehung von gesundheitlichen Folgeschäden durch Lärm. (siehe: Sondergutachten des Rates von Sachverständigen für Umweltfragen. Deutscher Bundestag Drucksache 14/2300, 2008).

Dies ist ein Fehler in der Untersuchungsmethode. Wir fordern die Neuberechnung der Lärmbelastung unter Heranziehung der Maximalpegel.



Durch unser Gemeindegebiet führen bereits die BAB 1 und BAB 226, die Bundesstraße B76, die Landesstraßen L309, L290, L181 und L102 sowie die Bahnlinien Lübeck-Kiel und Lübeck - Puttgarden. Dieser Verkehrslärm ist in allen Ortschaften der Gemeinde zu hören. Durch den zusätzlichen Güterbahnverkehr kommt es zu einer weiteren Verlärmung, die sich auch auf die Wirtschaftskraft der Gemeinde Ratekau auswirken wird. Es ist ein Fehler in
der Untersuchungsmethode, dass die durch die Güterzüge zu erwartende Lärmbelastung nicht zusammen mit dem bereits vorhandenen Lärm berechnet und somit der Anspruch auf aktive und passive Lärmschutzmaßnahmen völlig unzureichend bemessen worden ist. Dies ist zu korrigieren.
Dazu kommt, dass der Schienenbonus von 5 dB(A) in den Berechnungen abgezogen wurde, obwohl seine Abschaffung bereits im Bund
beschlossen wurde. Für das besonders überwachte Gleis BüG wurden zusätzlich 3dB(A) Gleis abgezogen, obwohl die lärmmindernde Wirkung dieser Maßnahme durchaus umstritten ist.
Begründung: Bei Praxistests an BüG wurden nachweislich Lärmminderungen zwischen 0,7 bis 3 dB(A) bei verschiedenen Zugarten erreicht, die erforderliche Unterschreitung des Vergleichswertes von 50 dB(A) um 3 dB(A) jedoch nicht (siehe: Forschungsbericht 29854266, UBA-FB 000424/1-3, Umweltforschungsplan des Bundesministeriums für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit, Texte 60/2003). Auch diese Fehler in der Berechnung sind zu korrigieren.

 

Die Heranziehung des theoretischen Planfalls 0 zur Berechnung der Lärmveränderung bedeutet, dass die heutige Lärmsituation nicht korrekt abgebildet wird. Die zu erwartende lärmsteigernde Wirkung der prognostizierten Züge wird in den Berechnungen zur Bestandsstrecke somit stark verharmlost. Nach unserer Überzeugung muss die Lärmberechnung die tatsächliche Situation der Menschen vor Ort widerspiegeln. Dies wurde nicht berücksichtigt und ist aus diesem Grund zu korrigieren.

 

Laut Staatsvertrag soll zunächst die Elektrifizierung der eingleisigen Bestandsstrecke vorgenommen werden. Die Notwendigkeit des zweigleisigen Ausbaus wird erst nach 7 Jahren geprüft. Während dieser Zeit werden unweigerlich jeder Bahnhof und alle bereits jetzt zwei-gleisigen Streckenabschnitte zu Haltpunkten für Gegenverkehr, mit entsprechenden hochfrequenten und weit hörbaren Brems-, Anfahr- und Rollgeräuschen. Wir bemängeln, dass diese Lärmquellen in den Lärmberechnungen nicht berücksichtigt wurden und fordern eine Neuberechnung.

 

Als weiteren eklatanten Untersuchungsfehler bemängeln wir, dass die geplanten Betriebsbahnhöfe nicht in die Lärmberechnung eingegangen sind und fordern eine Neuberechnung, die alle bereits vorhandenen und zu erwartenden Lärmquellen berücksichtigt.Die mögliche Schließung der Querungsanlage BÜ-km 9,446 an der Bestandstrasse führt in Ratekau zur Isolierung von Straßen (Am Kuhlensee, Sereetzer Weg teilw.) vom Ortsgebiet. Diese Straße (L290) ist ein stark frequentierter Schulweg und eine wichtige Verbindung zum ebenfalls zur Gemeinde Ratekau gehörenden Ort Sereetz, über die auch der ÖPNV geführt wird.

 

Alternativ würde durch eine Erneuerung der technischen Sicherungsanlage an diesem Bahnübergang die Isolierungswirkung ebenso erreicht, weil die Schrankenschließungszeiten nur sehr begrenzte Durchfahrtmöglichkeiten bieten.Die in den Untersuchungen zugrunde gelegten mittleren Schließzeiten von 120
Sek. pro Zug sind bei den geplanten Güterzuglängen von 835 m und einer max. Fahrtgeschwindigkeit von 100 km/h nicht einzuhalten. Wir bemängeln dies und fordern eine Berechnung der korrekten Schließungszeiten nach unterschiedlichen Zugarten, damit die Einschränkung der Mobilität durch geschlossene Bahnübergänge realistisch abgebildet wird.

 

Ostholstein ist eines der beliebtesten Urlaubsziele in Deutschland, viele Menschen in unserer Gemeinde leben auch vom Tourismus. Wir befürchten, dass bereits während der Bauphase der Schienenhinterlandanbindung deutlich weniger Touristen nach Ostholstein kommen.Der während der Bauphase entstehende Lärm wurde in den Untersuchungen nicht oder nicht ausreichend berücksichtigt. Durch Lärm, Staub und Erschütterungen durch Baufahrzeuge und große Erdbewegungen werden Touristen unsere Gemeinde ebenso wie die ganze Region meiden. Der angenommene Effekt durch Bautourismus wird diesen Verlust an Attraktivität nicht wettmachen, wie es bereits gutachterlich bestätigt wurde (Sonderuntersuchung “Prüfung möglicher positiver und negativer Wirkung auf die touristischen Belange im Kreis Ostholstein“). Verlorene Marktanteile im Tourismusbereich sind mittel- bis langfristig nicht wieder erlangbar. Ein hypothetischer kurzfristiger Effekt im Bautourismus steht in keinem
Verhältnis zu den touristischen Folgeschäden.
Wir fordern die Berücksichtigung der entstehenden volkswirtschaftlichen Schäden während der Bauphase und der anschließenden Betriebsphase bei der notwendigen Neubewertung des Gesamtprojektes FFBQ zu berücksichtigen.



Ratekau ist eine mehrfach ausgezeichnete Umweltschutzgemeinde. Bei uns gibt es große zusammenhängende Waldgebiete, die für uns Anwohner und auch Besucher als Erholungsraum sehr wichtig sind. Durch die möglichen Trassenverläufe werden diese Waldgebiete zerschnitten und verlärmt. Die Region verliert so ihren Erholungswert. In der Summe der negativen Folgen für die Gemeinde befürchten wir, dass die Gemeinde als Wohnort unattraktiv wird. Insbesondere für Familien mit Kindern, die die Kombination des Angebotes an Kinderbetreuungseinrichtungen, Schulen und ländlich ruhiger Umgebung zu schätzen wissen.Durch das erhöhte Güterverkehrsaufkommen, auch mit Gefahrgut, befürchten wir bei Unfällen eine Verschmutzung gerade auch der an den verschiedenen Trassen liegenden Schutzgebiete, wie des FFH-Gebietes Schwartautal und Curauer Moor, der Naturschutzgebiete Ruppersdorfer See und Sielbektal und des Hemmelsdorfer Sees.



Alle im ROV untersuchten Trassenvarianten der Schienenhinterlandanbindung für die FFBQ führen zu irreparablen Schäden an der Umwelt. Durch jede der vier im Hauptvergleich untersuchten Trassen kommt es zu einer Zerschneidung der Landschaft und von Bioverbundsachsen. Jede zweigleisig elektrifizierte Schienentrasse durch Naturlandschaft wird für bestimmte Tiere zu einem unüberwindbaren Hindernis, führt damit zur genetischen Isolation bestimmter Tierarten und entspricht nicht den Zielen der Biodiversität. Damit widerspricht jede der untersuchten Trassenführungen den Zielen des Landesentwicklungsplanes.



Wir weisen darauf hin, dass das Gesamtprojekt Feste Fehmarnbeltquerung einer Neubewertung bedarf. Der zwischen Deutschland und Dänemark geschlossene Staatsvertrag beinhaltet eine Verständigungsklausel, die sich explizit auch auf möglicherweise veränderte Voraussetzungen für das Projekt bezieht. Diese Veränderung in den
Voraussetzungen ist nicht nur durch die seit 2002 (mit diesen Zahlen wurde das Projekt bewertet) gestiegenen Kosten gegeben, sondern spätestens seitdem bekannt ist, dass weder die Fehmarnsundbrücke noch die Storestroembrücke dem prognostizierten Verkehrsaufkommen gewachsen sind.
Bei dieser Neubewertung sind die volkswirtschaftlichen Schäden durch Bau- und Betriebsphase der FFBQ und der Schienenhinterlandanbindung; gerade in Hinblick auf Kosten durch gesundheitliche Folgeschäden, Arbeitsplatzverluste, Grundstücks-/ Immobilienentwertung, Kaufkraftverlust, finanzielle Schwächung der Gemeinden; zu berücksichtigen.



Wir fordern die Landesregierung auf, diese Bedenken im Bund vorzutragen und auf eine Verhandlung mit Dänemark zu drängen, damit das Gesamtprojekt Feste Fehmarnbeltquerung gestoppt wird.

 

Kerstin Fischer

Sprecherin der BI Ratekau wehrt sich

Wir freuen uns über prominente Unterstützung. 

Bastian Sick, der bekannte Autor der Buchreihe

„Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod“, steht an

der Seite der Beltquerungsgegner.

 

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© Kerstin Fischer